Patientenbericht: Lukas

Meine Wahl - MEINE DIALYSE

Ich habe im Vorfeld sehr viel mit Ärzten gesprochen. Im KfH-Nierenzentrum Köln-Merheim hatte ich die Möglichkeit, Patienten zu besuchen, die die Nierenersatztherapie entweder als PD oder HD durchführten. Ich habe das zusammen mit meiner Freundin gemacht. Gemeinsam haben wir uns dann für das PD-Verfahren entschieden. Das war wirklich gut, dass ich mit den Patienten sprechen konnte. Man muss für sich persönlich abwägen: Was braucht man? Was will man? Und ich finde, mit dem PD-Verfahren ist man nicht so gebunden, wie bei der Hämodialyse; man liegt nicht fünf Stunden am Tag im Bett.

"Was braucht man? Was will man?"

Ob man PD oder Hämodialyse macht, läuft von der Zeit her so ziemlich auf dasselbe hinaus. Mit Beutelwechseln bin ich etwa vier Stunden am Tag eingespannt. Aber ich kann auf diese Weise vieles parallel machen, ich habe die Hände frei, ich kann dabei arbeiten, meinen Beruf ausüben. Da ich im Außendienst tätig bin, kann ich zum Beispiel zu Kunden fahren und ich bin zeitlich flexibel. Ich muss nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt in einem Dialysezentrum sein. Das ist wirklich toll, dass es dieses Verfahren gibt.

Viele schreckt der Katheter im Bauch erst einmal ab. Am Anfang, bevor ich in die Situation kam, dachte ich auch, ich will diesen Schlauch nicht im Bauch haben, auf gar keinen Fall. Ich will einen Shunt. Ich habe eine Freundin, ich bin jung und das möchte ich alles nicht. Dann haben wir uns das angeschaut und gemeinsam entschieden, die PD zu machen. Man gewöhnt sich daran und so schlimm sieht es gar nicht aus. Dafür ist man sein eigener Herr!

Für den Ablauf der Dialyse benötigt man ein steriles Umfeld. Ich muss die Fenster schließen, Mundschutz tragen und die Hände desinfizieren. Das sind Vorsichtsmaßnahmen, damit keine Keime in den Bauch gelangen. Da muss man schon wirklich sehr sauber arbeiten. Aber wenn man das alles beachtet, dann geht es eigentlich relativ schnell. Man macht den Beutel auf, den Verschluss ab und schließt sich an. Und dann geht es los. Der Beutelwechsel dauert ca. eine halbe Stunde mit Auslauf und Einlauf, manchmal auch 40 Minuten, je nachdem, wie die Flüssigkeit durchläuft. Ich mache vier Wechsel am Tag. Das muss man in Kauf nehmen.

Während der Nacht dialysiere ich mit einer Extraneal-Lösung, die zwölf Stunden im Bauchraum bleibt. Sie zieht auch noch ein bisschen Wasser aus dem Körper, das ich einlagere. Morgens lasse ich dann drei Liter ab, dadurch gehe ich nicht mehr so oft auf die Toilette. Anfangs habe ich noch anderthalb Liter über meine eigenen Nieren ausscheiden können. Relativ schnell ist das dann aber abgeklungen.

Man muss ein bisschen seinen Tag planen, wo man den Beutelwechsel macht. Aber wenn man sich daran gewöhnt hat, nach einem Monat oder zwei, ist das fester Bestandteil vom Tagesablauf. Man steht auf und dialysiert schon mal das erste Mal. Dann kann man in den Tag starten.

Der wesentliche Vorteil bei der Bauchfelldialyse ist für mich einerseits die Flexibilität. Ich kann zu einem Freund gehen, nehme mir einen Beutel in einem Rucksack mit und wir gucken Fußball bei ihm auf der Couch. Dann gehe ich eben kurz ins Badezimmer, schließe mich an, natürlich unter sterilen Vorschriften. Das ist dann eine Sache von 40 Minuten oder einer halben Stunde, dann ist das auch durch. Dann schließe ich mich ab und alles ist gut, man hat wieder vier bis sechs Stunden Luft. Zum anderen fühle ich mich durch die Dialyse mit dem Bauchfell gar nicht krank. Ich liege nicht jeden zweiten Tag fünf Stunden im Krankenbett und habe nicht das Gefühl, dass mein Leben von einer Maschine abhängt. Das ist mir persönlich sehr wichtig.

Beruflich fliege ich auch öfters mal. Da nehme ich mir immer einen Extrakoffer für die Dialysemittel mit, wie letztens nach Prag. Für drei Tage habe ich die Beutel in den Koffer gepackt, den ich wegen der Flüssigkeiten als Gepäck aufgegeben habe. Aber jetzt haben wir zwei Wochen Urlaub geplant. Das muss man schon ca. zwei Monate im Vorfeld vorbereiten, indem man eine Bestellung abgibt, wie viel man für 14 Tage am Urlaubsort benötigt. Und man muss einen Ansprechpartner vom Hotel haben, der die Lieferung entgegennimmt. Das können ja schon mal ein bis zwei Europaletten Material sein. Wenn ich dann am Urlaubsort ankomme, ist alles schon da. Ich habe die Kartons sogar schon einmal aufs Zimmer gebracht bekommen.

Patientenbericht: Lukas

BETREUUNG UND TRAINING

Ganz am Anfang hat es beim Rein- und Rauslaufen ein bisschen geschmerzt, weil ich wegen meiner schlechten Werte bereits zwei Tage nach der OP, bei der der Schlauch gesetzt wurde, dialysiert habe. Aber das war schon okay. Normalerweise lässt man nach der OP eine Woche vergehen, bevor man damit beginnt. Zunächst trainiert man mit einer kleinen Flüssigkeitsmenge von etwa 200 Millilitern. Über den Zeitraum von zwei Wochen steigert man sich dann auf zwei Liter, damit sich der Bauch daran gewöhnt.

"Im KfH-Zentrum hat man mir alles gezeigt."

In den ersten drei Tagen bin ich alle zwei Stunden ins Zentrum gefahren und habe einen Beutelwechsel gemacht. Dort hat man mir alles gezeigt; von der Begleitung her war das top. Ich habe von der Pike auf gelernt, auf alles zu achten, zum Beispiel ob das Dialysemittel noch haltbar ist, ob es irgendwelche Beschädigungen am Beutelrand gibt etc. So ein Beutelwechsel ist nicht schwer, das kann jeder erlernen. Am Anfang habe ich natürlich auch ein paar Fehler gemacht. Ich habe irgendwann mal meinen Katheter fallen lassen, dann war er unsteril. Es ging relativ schnell, innerhalb von drei, vier Tagen konnte ich dann selber alleine zu Hause dialysieren.

Ich bestelle alles beim KfH. Am Anfang des Jahres bekomme ich einen Plan, wann die Lieferungen erfolgen. Dann muss ich immer eine Woche vorher bestellen. Ich kann das sehr bequem per Mail machen, aber man erhält auch einen vorgefertigten Bogen. Da kann man einfach ankreuzen, was man haben möchte, und dann muss man das selber so ein bisschen durchrechnen, wie viele Beutel man wann von welcher Sorte benötigt.

Alle sechs Wochen gehe ich zur Blut- und Gewichtskontrolle ins Nierenzentrum, außerdem werden Blutdruckmedikamente bestellt, die ich nehmen muss. Den Blutdruck muss ich sowieso immer messen und ich führe Buch, wie viele Liter raus- und reinlaufen, welche Lösungen verwendet wurden etc. Das wird alles mit meinem Nephrologen im KfH-Nierenzentrum besprochen.

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